Posts Tagged ‘Karlsbader Kanne’

Kaffeezubereitung unplugged Teil 4: Die Vakuumkanne

Freitag, Januar 29th, 2010

Zugegeben: Die Kaffeezubereitung in einer Vakuumkanne hat schon etwas von Chemielabor. Wer jetzt aber sofort bärtige Herren im weißen Kittel mit einem Bunsenbrenner in der Hand vor Augen hat und denkt: Wie un-sexy ist das denn?, den belehrt der Barista von Intelligentsia Coffee aus den USA eines Besseren: Natürlich ist Filterkaffee nicht so “trendy” wie Espresso und natürlich sieht es um einiges cooler aus, wenn man mit Tamper und Siebträger hantiert. Doch auch die Freunde des klassischen Filterkaffees können sich bei diesem Video anschauen, dass man ohne die Verwendung einer elektrischen Filterkaffeemaschine eine durchaus tolle Performance hinlegen kann:

Syphon, Intelligentsia from Department of the 4th Dimension on Vimeo.

Kurzer Exkurs zur Geschichte und Funktionsweise der Vakuumkanne

Für alle, die mehr zu den Hintergründen dieser Art von Kaffeezubereitung wissen wollen, kommt hier ein kurzer Exkurs zur Geschichte und der Funktionsweise der Vakuumkanne.
Bei Wikipedia liest man im Kapitel “Kaffeemaschine” sinngemäß: Bereits im Jahr 1830 wurde die Vakuumkanne erstmals unter dem Namen Glasballon bekannt.
Dabei werden zwei Glasgefäße übereinander angebracht, wobei das untere Gefäß mit Wasser, das obere mit Kaffeemehl gefüllt wird. Erwärmt man nun das untere Gefäß, steigt das Wasser über ein Steigrohr in das obere Gefäß und vermischt sich dort mit dem Mahlgut. Nun löscht man die Flamme unter dem unteren Gefäß, so dass sich dort die Luft abkühlt und ein Unterdruck (Vakuum) entsteht, der das mit dem Kaffeemehl vermengte Wasser durch einen Filter in das untere Gefäß zurückzieht. Aus diesem unteren Gefäß kann der Kaffee nun, nachdem die Apparatur auseinander gebaut wurde, serviert werden.
Mit Maschinen dieser Art gab es viele Unfälle. Man hört von Explosionen und von zerbrochenem Glas, weil die Heizquelle zu spät gelöscht wurde. Trotzdem wurde nach diesem Prinzip eine Reihe unterschiedlicher Kaffeemaschinen hergestellt. Teilweise wurden dabei die beiden Behälter nicht über- sondern nebeneinander angebracht und mit einem Kippmechanismus versehen, der den dazugehörigen Spiritusbrenner automatisch auslöschte.

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In Deutschland gewannen im 20. Jahrhundert die gläsernen Vacuum-Bereiter im Design der Bauhaus-Künstler (nein, die Jungs hatten nichts mit dem allseits bekannten Heimwerkermarkt zu tun) unter dem Namen Sintrax eine größere Verbreitung. Ebenfalls verbreitet waren die elektrischen Geräte, die Rowenta in den 1950er Jahren verkaufte. In den letzten 30 Jahren kamen solche Geräte vor allem von dem dänischen Hersteller Bodum. Das aktuelle Modell “Pebo” kostet 59,90€.

Übrigens: Wer sich für andere Unplugged-Methoden der Kaffeezubereitung interessiert, hier haben wir über Kaffee aus der French Press oder aus der Karlsbader Kanne und hier über Espresso aus der Moka Express berichtet.

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Kaffeezubereitung unplugged Teil 2: Die Karlsbader Kanne

Donnerstag, Juli 2nd, 2009

Nachdem wir euch kürzlich schon die French-Press als klassisches Beispiel für die gelungene Kaffeezubereitung per Hand vorgestellt haben, darf die Karlsbader Kanne als weiterer Vertreter dieser Zubereitungsform natürlich nicht fehlen.

Seit über 100 Jahren kommt diese Zubereitungsmethode ohne Filterpapier oder sonstige Hilfsmittel aus - also alles ganz einfach. Verwirrung kommt da schon eher beim Namen auf, denn

1. kommt die Kanne eigentlich nicht aus Karlsbad, sondern aus Bayreuth und

2. ist sie nicht nur eine Kanne, sondern eigentlich eine Kaffeemaschine.

Um hier für Ordnung zu sorgen, lasst euch gesagt sein: Die Kanne heißt Karlsbader Kanne, weil die für sie spezifische Brühmethode (mit einem Doppelfiltersystem) aus der tschechischen Stadt Karlsbad kommt. Hergestellt wird sie aber, wie schon gesagt, in Bayreuth und zwar von der Porzellanmanufaktur Walküre.

Die Zubereitung von Kaffee in der Karlsbader Kanne ist die schonendste überhaupt: 

Das Herzstück der Kanne, der komplett durchglasierte Doppelfilter aus Hartporzellan, reagiert weder mit heißem Wasser noch mit Kaffeegeschmack. So entfaltet sich bei jedem neuen Brühvorgang nur den Eigengeschmack des jeweils verwendeten Kaffees, er wird mild und bekömmlich. Das ist auch der Grund, warum die Karlsbader Kanne gerne bei Kaffeeverkostungen von Röstern oder Sommeliers verwendet wird.

Soweit so gut - jetzt geht es um den korrekten Gebrauch:

Für zwei Tassen benötigt man 16 Gramm Kaffee, für jede weitere 6 Gramm, wobei der Mahlgrad grob sein muss (etwa griesfein). Das Kaffeepulver direkt in das Porzellan-Doppelsieb im Aufsatzbehälter geben und den Wasserverteiler aufsetzen. Jetzt kommt das Wasser drauf (etwa 90 Grad heiß) und hier ist Fingerspitzengefühl gefragt - man darf nämlich nicht zu viel auf einmal aufgiessen damit sich die Aromen langsam entfalten können (Profis verwenden hier übrigens kleine Schöpfkellen, damit sie immer die richtige Menge Wasser einfüllen).

Hat man erstmal den Dreh raus, ist die Sache geritzt. Denn jetzt muss man nur noch warten, bis das Wasser vollständig durch das Doppelsieb getröpfelt ist, bevor man den Sieb- und Wasseraufsatz entfernt und den fertigen Kaffee direkt aus der Kanne servieren kann.

Warum wir also die Karlsbader Kanne so mögen, lässt sich in vier kurzen Sätzen zusammenfassen:
1. Die Zubereitung von Kaffee in der Karlsbader Kanne ist ganz einfach - das Ergebnis trotzdem lecker!

2. Die komplette Kanne besteht aus Hartporzellan, d.h. hier stört kein Fremdgeschmack, der dem Kaffeegenuss im Weg stehen könnte

3. Die Karlsbader Kanne passt in jede Küche, und sei diese auch noch so winzig. Denn die Karlsbader Kanne ist klein und handlich

4. Von “Walküre” gibt es die Karlsbader Kanne in einer schlichten Ausführung, die an Bauhaus-Design erinnert und es schafft, selbst unsere alte Ikea-Küche visuell aufzuwerten

Für alle, die wir mit diesem kleinen Post vom Gebrauch der Karlsbader Kanne überzeugen konnten, wünschen wir jetzt viel Spaß und gutes Brühen!

Und hier kann man die Kanne übrigens bestellen.

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