Posts Tagged ‘Kaffee’

Coffee-Geeks unter sich: Zu Besuch bei Arne vom Baristablog

Montag, März 8th, 2010

Am vergangenen Wochenende war ich in Berlin. Und was macht man da als echter Coffee-Geek? Man trifft sich mit Gleichgesinnten, ist doch klar! Einer davon ist Arne Preuss vom Baristablog - für uns eine Art Mentor in Sachen Kaffeeverkostung. Da wir, wie schon oft erwähnt, eher die Espressotrinker sind, wollte ich mir bei Arne ein paar Tipps für die richtige Verkostung von Filterkaffees holen - immerhin war Arne mehrere Jahre lang bei einer Coffeeshop-Kette für genau dieses Thema zuständig. Und so trafen wir uns zu einer Art Kaffeekränzchen in seiner neuen Wohnung in Berlin und Arne schmiss die Mühle an!

Arnes neues Schmuckstück: Seine Mazzer.

Es traten ein Kaffee Sidamo und ein Kaffee aus Costa Rica gegeneinander an.


Die Zubereitung erfolgte in der French Press (wie das geht, erfährst Du hier):


Da Arne schon einige Kaffee-Podcasts auf seinem Blog vorgestellt hat, sollte unsere Kaffeeverkostung natürlich nicht ungehört bleiben. Kurzerhand bastelte Freund Mauri unter dem Hochbett eine doch recht improvisierte Sprecherkabine und stellte uns sein dafür sehr professionelles Mikrophon vor die Nase. Und schon ging´s los….

Arne und Mauri

Das fertige Podcast und die Ergebnisse unserer Kaffeeverkostung kriegt ihr in den nächsten Tagen zu hören. Ich habe es selbst noch nicht gehört und hoffe, dass ich mich dabei nicht allzu sehr blamiert habe.

Übrigens: Auch Arne hat über meinen Besuch bei ihm berichtet. Lesen kannst Du´s hier.
Update: Der erste Teil des Kaffee-Podcasts ist online! Zu hören gibt es ihn hier.

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Nie mehr schlechten Espresso trinken: Was macht die Kaffeekultur in Freiburg?

Freitag, Februar 12th, 2010

Wie manche von Euch vielleicht schon wissen, kommen Annika und ich ursprünglich aus Freiburg im Breisgau. Und es war auch genau in dieser schönen Stadt in der wir das Schlüsselerlebnis hatten, nach dem wir uns entschlossen die Black Pirate Coffee Crew zu gründen und dieses Blog zu schreiben: Im Sommer nämlich saßen wir dort in einem der unzähligen Straßencafés und tranken einen Espresso. Das Wetter war schön und unsere Laune gut - nur die Espressi sahen wässrig-trüb und traurig aus (und schmeckten auch so).

Als wir auf die Frage, welcher Kaffee uns denn gerade serviert worden war, vom Kellner nur ein verzweifeltes Achselzucken ernteten, wurde uns schnell klar: Hier muss sich etwas ändern! Schließlich waren wir als echte Badenserinnen mit einer ständigen Informationsflut über Wein aufgewachsen. Kaffee, bei dem es mindestens ebenso auf Herkunft, Anbau und Verarbeitung ankommt, wird dagegen immer noch vielerorts als Katze im Sack verkauft.


Dass sich in Bezug auf die Verbesserung der deutschen Kaffeekultur immer mehr tut, darüber haben wir hier schon oft berichtet. Dass auch in unserer Heimatstadt immer mehr Cafés tollen Kaffee ausschenken, das können wir nun in Kais Freiburger Mittagspausen Espresso Blog lesen. Ein toller Guide für alle Freiburger und Freiburg-Touristen, die auf der Suche nach einer guten Tasse Espresso & Co. sind. Wir hoffen, dass uns damit in Zukunft Kaffee-Katastrophen, wie wir sie vorletzen Sommer erlebt haben, erspart bleiben…

P.S. Kais Favorit ist übrigens das Sedan, das auch wir direkt ansteuern wenn wir mal in Freiburg sind. Sehr gemütlich und abseits vom Trubel der Innenstadt kann man dort einen sorgfältig zubereiteten, köstlichen Espresso von Passalacqua trinken.

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Liebesgrüße auf Piratisch - am Sonntag ist Valentinstag

Montag, Februar 8th, 2010

Unaufhörlich rückt er näher: der Tag der Liebenden, eher bekannt als Valentinstag. Was hauptsächlich in den USA zu wahren Kaufräuschen eskaliert, treibt hierzulande besonders unseren männlichen Mitmenschen die Schweißperlen auf die Stirn: Oh Gott, schon wieder der 14.2. - was soll ich meiner Frau und/oder Geliebten bloß schenken?

Und auch wenn er nicht romantisch ist: selbst der wildeste Pirat hat ein Herz und braucht ab und an ein bisschen Liebe. Woran das selbst Laien erkennen können? Ganz einfach: Hat der Pirat Liebeskummer, dann trinkt er ein Glas Rum nach dem anderen, dicke Tränen kullern über die Rehling ins Meer bis er selbst zusehen muss, nicht von Bord zu fallen. Ist er aber glücklich verliebt, schreibt er mit triefender Tintenfeder Liebeskarten in Schnörkelschrift und sendet zuletzt erbeutete Schätze zu seiner Geliebten.

Wir Kaffeepiraten haben uns ein Herz gefasst und eine Reihe leckerer Geschenksets nicht nur mit Liebes- sondern auch mit Koffeinanteil zusammengestellt. Über diese Seite kann man die Schätze ab 15 Euro Bestellwert versandkostenfrei bestellen.

Lass mich Dein Pirat sein!

Auf eine kleine Prise Piraten-Emotionen solltest Du nicht verzichten. Nena macht es uns vor - Video anschauen, Text auswendig lernen, Gitarre aus der Ecke holen und dem Herzblatt am Valentinstag ein schönes Ständchen singen.

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Kaffee-Nerd und stolz drauf!

Freitag, Januar 15th, 2010

Sobald man sich mit einem Thema etwas intensiver als der Durchschnitt beschäftigt, gerät man direkt in Gefahr, in eine Schublade mit der fetten Aufschrift “Nerd” gesteckt zu werden. Mit welchen Thema Du Dich beschäftigst, spielt dabei keine Rolle. Es ist die Intensität, die Dich in den Augen Anderer zum Nerd werden lässt.

Es verwunderte uns daher wenig, dass wir bereits kurz nachdem unser Blog und unser Shop online gegangen waren, von einigen Bekannten und Freunden als Kaffee-Nerds betitelt wurden.
Doch was macht einen Kaffee-Nerd aus? Ist es nur das Interesse an Kaffee, an dessen Herkunft, dessen Verarbeitung und dessen verschiedene Zubereitungsmethoden? Bekommt man schon beim Kauf einer Siebträgermaschine das Prädikat “Nerd” mitgeliefert oder erst, wenn man Abend füllende Diskussionen über die perfekte Brühtemperatur und den richtigen Mahlgrad führt?

Fakt ist, dass Nerds der Kategorie Kaffee noch eine recht junge Interessengruppe in Nerdistan sind. Denn wie wir alle wissen, gab es bis vor Kurzem noch recht wenig zum Thema Kaffee zu sagen - es gab Filterkaffee, Tchibo, Melitta, “Draußen nur Kännchen” und fertig.
Dann kam die Coffeeshop- und To-Go-Welle und die einzige damit einhergehende Diskussion war vielleicht die über überteuerte Preise und ein Anstieg von Diabetes Typ 2-Neuerkrankungen aufgrund der viel zu zuckerhaltigen Sirup-Beigaben zu jedem der neuen “Trend”-Kaffeegetränke.

Seit einigen Jahren ist nun eine Bewegung zu verzeichnen, die viele Kaffeetrinker kritischer und qualitätsbewusster werden ließ und lässt. Es wird vermehrt über das Produkt Kaffee informiert, es werden Bücher geschrieben, Barista-World-Championships durchgeführt etc.
Und genau ebendiese Bewegung war auch die Geburtsstunde des Kaffee-Nerds.

Annika und ich stecken nun also drin in der Schublade - und wollen auch gar nicht wieder raus. Hier ist´s nämlich recht gemütlich und lustig. Ja, auch Nerds können Humor haben und nehmen sich selbst oft weit weniger Ernst, als es ihre Umwelt ihnen vielleicht unterstellen will.

Ein kleiner Beitrag zum Entertainment hier in unserer Nerd-Schublade kommt vom Ben Helfen in Form seines aktuellen Videos “How to brew a good cup of coffee”. Seine Interpretation überlassen wir jedem Leser selbst (und wer´s nicht versteht, hat definitiv zu wenig Nerd-Potential).

How to Brew a Good Cup of Coffee from Ben Helfen on Vimeo.

Ben Helfen lebt  in Atlanta. Es liebt Finnland und - na klar - Kaffee, schreibt ein Blog zu ebendiesem Thema, ist bei Twitter sehr aktiv und betreibt baristaexchange.com, eine Art amerikanisches Pendant zum deutschen Kaffee-Netz. Außerdem arbeitet er als Barista bei Octane Coffee.

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Dr. Sommer fragt nach: Steigert Kaffee die Potenz?

Mittwoch, Januar 13th, 2010

Schneematsch, graue Wolken, schlechte Laune. Das aktuelle Wetter und seine Auswirkungen auf´s Gemüt halten derzeit wenig Aufmunterndes für uns bereit. Umso lauter waren unsere Begeisterungsschreie als wir bei unitednetworker.com auf folgende Meldung stießen (Hallelujah, das Leben ist schön!):

“SEIT DEM 15. SEPTEMBER 2009 IST MAGIC POWER COFFEE IN DEN USA UND KANADA ERHÄLTLICH. DER EUROPASTART DES IN SEINEM HEIMATLAND MIT BEREITS ÜBER 1,8 MIO. VERKAUFTEN PAKETEN RECHT ERFOLGREICHEN PRODUKTS STARTET AM 15.01.2010 IN DEUTSCHLAND. DIE WEITEREN EUROPÄISCHEN LÄNDER SOLLEN KURZFRISTIG FOLGEN.

Bei Magic Power Coffee handelt es sich um ein völlig neuartiges Kaffeegetränk, dessen einziger Zweck darin besteht, auf der Ebene sexueller Erfahrungen für mehr Energie, Stimulation, Verlangen, Leistung, Befriedigung und Durchhaltevermögen zu sorgen. [...]

[...] Magic Power Coffee soll sowohl bei Frauen als auch bei Männern wirken und soll seine Fähigkeiten innerhalb von nur 30 Minuten entfalten - vor, während und nach dem Geschlechtsakt. Die Verbindung des  Milliardenmarktes für Kaffee mit dem Milliardenmarkt für Potenzmittel hat sicherlich ein Potential zumal das Produkt bei beiden Geschlechtern gleich funktionieren soll. „Entweder waren die Pharmahersteller nicht willens oder einfach unfähig, die weibliche Komponente beim Sex zu berücksichtigen, wir jedenfalls haben daran gedacht.” So A.J. Goldberg, COO von Magic Power Coffee. So sicher wie Sex einen weltweiten Bezug habe, so überzeugt ist Goldberg vom weltweiten Erfolg mit Magic Power Coffee. Am 15.Januar 2010 ist jetzt die Markteinführung dieses aphrodisierenden Kaffees in Deutschland geplant.”

Soweit so gut, dachten wir uns. Der Name und das Packaging lassen nicht gerade auf subtile Produkt-Positionierungs-Strategien schließen. Aber das ist in diesem Geschäft wohl auch nicht gewünscht - man zeigt was man hat. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Big Money Comes From Big Ideas

Uns als Koffein geputschte, investigativ angehauchte Kaffee-Blogger interessierte natürlich sofort, was diesem Coffee seine Magic Power verleiht.
Die Website des Unternehmens hält sich bedeckt, bzw. will sofort Namen und Email-Adresse vom User, bevor sie irgendwelche Informationen ausspuckt. Darauf hatten wir keine Lust und wandten uns daher direkt an Herrn Heiner Höving, den Head of Sales Europe, der uns gerne mit ausführlichen Informationen zu den Zusatzstoffen der Power-Mischung aushalf. Und trotz des viel versprechenden Dogmas in seiner Email-Signatur “Big money comes from big ideas!”, kommen diese in Gestalt von Ziegenkraut, Goji-Beere und amerikanischem Ginseng recht unspektakulär daher.
Wenigstens sind sie alle natürlichen Urpsrungs - wir haben es also mit einem echten Öko-Aphrodisiakum zu tun und das soll Pfizer dem Black Magic Coffee erstmal nachmachen!

Auf Erfahrungsberichte oder Selbstversuche müssen wir indes natürlich noch warten - schließlich gibt es die Wundermischung erst ab dem 15. Januar.
Und so verharren wir - sexuell inaktiv und frustriert - und sinnieren darüber, ob im Magic Power Coffee wohl Arabica- oder Robusta-Bohnen verwendet werden, ob diese aus nachhaltigem Landbau stammen und ob sie fair gehandelt wurden.

P.S.: Unsere Freunde von hirngerechte-gestaltung.com haben sich des Themas auch angenommen und den selbsternannten “Branchenrenner” aus einem weiteren Blickwinkel untersucht.

P.P.S.: Sämtliche in diesem Artikel verwendeten Bilder wurden uns freundlicherweise von Herrn Höving/Magic Power Coffee zur Verfügung gestellt. Das vor dem letzten Absatz eingefügte Foto trägt übrigens den schönen Titel “Coffee Couple”.

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Espresso oder Kaffee? Kaffi Schopp-Gründer Johannes Lacker antwortet

Montag, Januar 4th, 2010

Im vergangenen Sommer war es, als Johannes Lacker mit seinem Kaffi Schopp online ging – einem Onlineshop für Schweizer Kaffeespezialitäten. Aufmerksam wurden wir auf Johannes schon viel früher. Durch sein Blog nämlich, in dem er ganz transparent und ausführlich über die Gründungsphase berichtete: von der Konzeptfindung über die Namenssuche bis zur Logogestaltung. Für uns waren diese Einblicke besonders spannend, denn Gründer lassen sich in der Regel nicht gerne in die Karten schauen.

Wir wollten gerne mehr über den Gründer selbst, der hinter dem Kaffeeprojekt steht, erfahren und fragten nach:

Wie kamst Du darauf einen Shop für Schweizer Kaffees zu gründen?

Auf die Idee der Gründung des Kaffi Schopp Onlineshops kam ich über die Liebe zur Schweiz und zum Kaffee. Rund um meinen 40. Geburtstag habe ich über das Thema Selbstständigkeit intensiv nachgedacht und irgendwann hat es Klick gemacht: ich bringe Schweizer Kaffee nach Deutschland. Glücklichweise waren die Schweizer Röstereien, die ich mittlerweile vertrete, sehr offen und haben mich bestmöglich unterstützt. Mittlerweile weiss ich, dass ich für mich die richtige Entscheidung getroffen habe, denn es ordnen sich Dinge immer wieder in die richtige Richtung. Auch reagieren die Kunden sehr positiv auf mein Projekt. Das hatte ich im Vorfeld nicht unbedingt erwartet und freut mich deshalb umso mehr.

Espresso oder Schümli?

Meinen täglichen Kaffeekonsum bestreite ich mit Espresso und Cappuccino. Wenn ich allerdings in der Schweiz bin, trinke ich auch gerne einmal einen Kafi Crème. Dieser Kaffee aus dem Vollautomaten entspricht dem deutschen „Schümli“ und wird mit ein wenig Kaffeerahm getrunken.

Wusstet Ihr eigentlich, dass der Begriff „Schümli“ nicht aus der Schweiz stammt, sondern aus Deutschland? Da war offenbar eine deutsche Marketingagentur sehr kreativ. In der Schweiz heisst der Schümli nämlich Kafi Nature oder eben Kafi Crème (mit Kaffeerahm).

Zum Wach werden oder Entspannen?

Morgens brauche ich einen, nein eher zwei Cappuccini zum Wachwerden. Über den Tag trinke ich dann ein bis zwei Espressi, vor allem um meine Kaffees immer mal wieder „pur“ zu geniessen. Der Tag endet dann wieder mit einem Cappuccino kurz vor dem Schlafengehen – dieser dient dann tatsächlich nur der Entspannung und dem langsamen Auslaufenlassen des Tages.

Stammmarke oder Probierer?

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Bleigießen war gestern, wir lesen die Zukunft aus dem Kaffeesatz!

Montag, Dezember 28th, 2009

Horoskope, Prognosen, Wahrsager - was ist dran am Blick in die Zukunft? Das weiß keiner so genau und noch nicht einmal die Meteorologen treffen bei der täglichen Wettervorhersage immer ins Schwarze. Ob wahr oder nicht, die Neugierde darüber was die Zukunft bringt, ist seit Jahrtausenden eine kleine, wohlgepflegte Schwäche des Menschen. Besonders zum Jahreswechsel herrscht in diesem Bereich Hochkonjunktur und als Kaffeefreund bietet sich hier nur eine wahre Option: Das Kaffeesatzlesen. Und das ist fast so alt wie die Kaffeekultur selbst.

Einen kleinen Einblick in die Geschichte des Kaffeeorakels gibt uns Samer Odeh, der zwar in Deutschland geboren wurde, von seiner palästinensischen Mutter aber die ursprüngliche Tradition des Kaffeesatzlesens beigebracht bekam: “Die Kunst des Kaffeesatzlesens wird auf das biblische Volk der Philister zurückgeführt, dessen Herkunft bis heute nicht vollständig geklärt ist. Man vermutet, dass die Philister von den ägäischen Inseln und vom griechischen Festland nach Palästina eingewandert sind. Andere sagen, die Philister stammen von der West- und Südküste Kleinasiens. Jedenfalls überlieferte dieses Volk die Tradition der Weissagung mit Hilfe des Kaffeesatzes von Generation zu Generation und verfeinerten dabei dessen Symboldeutung kontinuierlich. Dieses Wissen wurde von den Nachfahren der Philister im heutigen Palästina zu großen Teilen unverändert übernommen.
Auch im modernen Palästina ist die Tradition des Kaffeesatzlesens in der Gesellschaft fest verankert.
Man praktiziert es auf dem Basar oder im privaten, familiären Kreis. Es gilt als Domäne der Frauen, die ihre Kenntnisse untereinander und an ihre Töchter weitergeben.
Die Legende besagt, dass sich ein philistinisches Mädchen in einen Jüngling verliebt hatte, sie jedoch einem anderen versprochen war. Aus Liebeskummer und Verzweiflung wollte sich das Mädchen das Leben nehmen und tat Gift in ihren Kaffee. Sie zögerte jedoch, den Kaffee zu trinken und schüttete diesen auf die Untertasse. Als sie sich den in der Tasse verbliebenen Kaffeesatz ansah, erblickte sie darin den Namen ihres Liebsten und die Anfangsbuchstaben ihrer beider Namen, die als zwei in sich verschlungene Ringe geschrieben waren. So ermutigt, gestand das Mädchen ihrem Angebeteten ihre Liebe, der Jüngling entführte sie an einen Ort, an dem sie beide unbekannt waren und unerkannt bleiben konnten, sie heirateten und lebten fortan glücklich miteinander bis ans Ende ihrer Tage.”

Sein Buch “Kaffeesatz lesen” sowie Anleitungen und Regeln für das Do-it-Yourself-Orakel, findet ihr auf seiner Homepage. Wer für Silvester noch eine Alternative zum Bleigießen sucht, der bekommt das Set “Kaffeesatzlesen” bei uns an Bord für nur 4,50 €! Los geht´s Kaffeepiraten - Kaffee lügt nicht!

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Unsere Top 10 der deutschen Kaffee-Blogs, Teil 1

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

Da stehen sie nun in unserer Blogroll: Die Links zu einigen Kaffee-Blogs, die wir gerne und regelmäßig lesen. Doch was steckt eigentlich hinter Coffeeness, Wolfredo & Co.? Wo kriegt der geneigte Leser welche Infos her? Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, gibt es hier und heute den ersten Teil unserer persönlichen Top 10 der deutschen Kaffee-Blogs und eine kurze Info, was man wo zu lesen kriegt.

Prinzipiell geht es bei allen nur um das Eine - nämlich um Kaffee. Aber wenn man genauer hinschaut, lässt sich bei jedem Blog doch die ein oder andere Spezialität entdecken…

Platz 1: Das Kaffee-Netz

Kein Blog im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine Community mit Forum. Hier tauscht sich ein großer Teil der deutschen Kaffeefans aus und zwar über wirklich alles, was den Kaffeetrinker so bewegt. Von der richtigen Einstellung einer Hand- oder Elektromühle für die Kaffeesorte XY bis hin zu Anleitungen für´s Heimrösten - es werden (fast) alle Fragen beantwortet. Vom Kaffee-Neuling bis hin zum alten Bohnen-Hasen findet hier wirklich jeder Tipps, Tricks und Interessantes aus der Kaffee-Theorie und -Praxis.

Platz 2 Coffeeness Barista Blog

Arne Preuss, der Verfasser dieses Blogs hat eine lange Vergangenheit als Barista und Kaffeefreund hinter sich. Die Aufforderung “Werde Kaffeeexperte!”, im Header des Blogs zu lesen, lässt schon erahnen wohin die Reise gehen soll. Arne selbst beschreibt die Ziele von seinem Barista Blog so: “In diesem Blog geht es darum, das Bewusstsein für hochwertigen Kaffee zu schaffen und ich werde nach und nach dem Leser alle Werkzeuge die er braucht an die Hand geben, um selbst ein Kaffeekenner zu werden.” Besonders hervorzuheben bei Arnes Bloggerei sind seine Kaffee-Podcasts!

Platz 3 Kaffee-Satz! Das Maskal Kaffeeblog

Neben der Maskal Fine Coffee Company, einem Online-Shop für Kaffeespezialitäten, betreibt Dr. Hans-Jürgen Langenbahn das Blog Kaffee-Satz. Die dort behandelten Themen und Inhalte beschreibt er selbst so: “Die Autoren sind unabhängig in ihrer persönlichen Meinung und blicken kritisch hinter und über den Kaffee-Tassenrand. Sie versuchen auf Sachverhalte aufmerksam zu machen, die bisweilen nur wenig in der Öffentlichkeit bekannt sind bzw. aus ihrer Sicht der Dinge einer Klärung bedürfen, oder sie stellen Aktionen und Projekte vor, die ihnen positiv auffallen. Zunehmende Bedeutung hat für die Autoren inzwischen das komplexe Thema der „Nachhaltigkeit“ gewonnen. Kaffee war und ist eben mehr als ein Getränk: Ob Bio-Anbau, fairer Handel, Waldschutz oder Nachhaltigkeit, Kaffee ist wegen seiner großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung ein Produkt, das stets an der Speerspitze der genannten Entwicklungen stand und steht. Und mit der kontroversen Sicht dieser (und vieler anderer) Sachverhalte befassen wir uns.” Neben Hans schreiben auch Jörg Volkmann und weitere Gastautoren für Kaffee-Satz.

Platz 4 Kaffi Schopp Blog

Johannes Lacker ist Eidgeniesser und hat sich, wie der Titel schon vermuten lässt, auf Kaffees aus der Schweiz spezialisiert. Wer schon mal im Land des Käses und der Berge war, der weiß: Die Schweizer können Kaffee machen! Umso schöner, dass es mit dem Kaffi Schopp eine deutsche Online-Quelle für die verschiedenen Kaffee-Schätzchen gibt. Im gleichnamigen Blog kann man auch als Noch-Nicht-Eidgeniesser lesen, was in der Schweizer Kaffee-Szene so los ist.

Platz 5 Radical Coffee

Wolfram Sorg, Thomas Schweiger und Thomas Schiessl stecken hinter dem kritischen wie informativen Blog Radical Coffee. Thomas Schiessl ist als Deutscher Baristameister 2008 nicht nur als bloßer Zuschauer in der Welt des Kaffees unterwegs, sondern engagiert sich beispielsweise in der Baristagilde. In seinem Blog berichtet er ausführlich über seine Erfahrungen in der Kaffeeszene oder leistet Aufklärungsarbeit bei Kaffee-relevanten Begriffen wie Bio, Fairtrade etc.. Wolfram, der zweite Mann bei Radical, schreibt gleichzeitig noch ein anderes Kaffee-Blog namens Wolfredo, doch dazu im 2. Teil unserer Top 10 mehr. Der dritte Mann hinter Radical Coffee ist Thomas Schweiger, zertifizierter SCAE Barista Trainer, der nicht nur über Kaffee bloggt, sondern mit dem Green&Bean
(Kaffeebar/Schulungszentrum/Vertrieb für LaMarzocco Maschinen) eine echte Anlaufstelle für Kaffeefans nicht nur aus Bayern ist.

So, das war der erste Teil unserer Hitparade. Wir hoffen, dass wir Euch damit eine kleine Übersicht geben konnten und Euch vielleicht auf das ein oder andere Blog aufmerksam gemacht haben, das ihr bisher noch nicht kanntet.

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Jamaica Blue Mountain - Kaffee und Kult zugleich

Montag, November 30th, 2009

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Die Adventszeit hat gerade begonnen, Weihnachten ist nicht mehr weit und so langsam wird´s auch uns Kaffeepiraten warm um´s Herz. Deshalb haben wir einen unserer größten Schätze aus der Schatzkammer geholt und ihn am gestrigen 1. Advent getestet: Echter Jamaica Blue Mountain Coffee, den wir von einem befreundeten Röster geschenkt bekommen hatten.
Gemahlen haben wir das Goldstück mit einer Zassenhaus Heidelberg und zwar relativ grob, also genau passend für die Zubereitung in der French Press. Wir haben 12 Gramm Pulver pro Tasse genommen, was bei einem durchschnittlichen Preis von 11 € pro 100 Gramm schon eine leicht luxuriöse Angelegenheit ist.
Das Wasser hatte eine Temperatur von 94 Grad beim ersten Aufguss. Da wir es nicht in einem Schwall, sondern in kleinen Abständen über das Kaffeemehl gegossen haben, ließ diese Aufgusstemperatur natürlich entsprechend nach. Nach vier Minuten Ziehzeit war es dann soweit.
Andächtig nippten wir an unseren Kaffeetassen und zogen eine erste Zwischenbilanz: Als absolute Espressotrinker, waren wir von der ungewohnten Milde geschmacklich zuerst etwas unterfordert. Aber der tolle Körper und der lange Abgang überzeugten uns obwohl wir dem “Kaviar unter den Kaffees” eigentlich etwas skeptisch gegenüber stehen.
Natürlich ist der Jamaica Blue Mountain ein Spitzenprodukt! Dennoch hat sein Ruf, der beste Kaffee der Welt zu sein, eine große Eigendynamik entwickelt und stellt andere, ähnlich herausragende Spezialitätenkaffees aus vielen verschiedenen Anbaugebieten der Welt damit (unverdient) in den Schatten. Aber auf alle Fälle ist er es Wert, einmal probiert zu werden.

Für alle, die mehr über den König der Kaffees erfahren wollen, haben wir hier ein paar kurze Fakten zu Geschichte, Geschmack und Herkunft zusammengetragen:

Die Geschichte

Da es hier um Kaffee und nicht um Geschichte geht, die Fakten zu seiner Entstehung in einem Satz kurz zusammengefasst: Der Engländer Sir Nicholas Lawes brachte im Jahre 1728 einige Arabica-Pflanzen aus der französischen Kolonie Martinique mit nach Jamaika. Aufgrund des dortigen perfekten Klimas für den Kaffeeanbau, entwickelten sich die Pflanzen prächtig und legten damit den Grundstein einer erstaunlichen Erfolgsgeschichte, die zum damaligen Zeitpunkt wohl niemand vorhergesehen hätte.

Das Anbaugebiet

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Die Kaffee-Plantagen liegen im östlichen Teil der Insel Jamaika, in den namensgebenden Blue Mountains. Das Anbaugebiet liegt in einer Region von ungefähr 600 bis zu 2.000 Metern über dem Meeresspiegel im Schatten von Obstbäumen. Durch den Nebel in den Hängen der Berge entsteht ein einzigartiges Mikroklima, das den Wachstumsprozess der Kaffeepflanze verlangsamt und gleichzeitig den Reifeprozess in die Länge zieht (genau wie bei anderen Hochland-Kaffees auch). Neben der langen Reifezeit, nimmt auch der vulanische, sehr nährreiche Boden in diesem Gebiet großen Einfluss auf das spezielle, von Kaffee-Gourmets so geschätzte Aroma.
Dieses außergewöhnliche Aroma in Verbindung mit der geringen Ertragsmenge sowie den schwierigen Bedingungen bei der Ernte, machen den Jamaica Blue Mountain zur teuersten Kaffeesorte weltweit.
Der Jamaica Blue Mountain kommt meist von kleinen Plantagen, natürlich wird er ausschließlich von Hand geerntet und seine Qualität wird vom ,,Coffee Industry Board of Jamaica’’ streng kontrolliert. Anders als andere Kaffees wird er, wie Wein, in Holzfässern und nicht in Säcken verschifft.
Leider haben die Jamaikaner selbst nur wenig von ihrem Kaffee. Die Nachfrage weltweit ist derart groß, dass der Großteil exportiert werden muss. Natürlich versuchten auch andere Kaffee-Produzenten, sich ein Stück von diesem gewinnträchtigen Kuchen abzuschneiden, gaben ihren Rohkaffeebohnen ähnliche Namen und packten sie in Holzfässer. Fakt ist aber, dass sich nur Kaffee aus exakt dem Gebiet der Blue Mountain Region auch Jamaica Blue Mountain nennen darf. Alle anderen sind nur billige Plagiate.

Der Geschmack

Das Ergebnis des langsamen Reifeprozesses auf Vulkangestein ist eine leicht bläulich schimmernde Bohne, die aufgrund ihrer hohen geschmacklichen Qualität sortenrein getrunken werden sollte. Das Bouquet schwankt zwischen süß und leicht säuerlich und ist dabei fruchtig mit einem Anflug von Schokolade und Nuss. Sein Aroma klingt am Gaumen noch lange nach. Der Gesamteindruck ist mild und die einzelnen Geschmacksbestandteile sind sehr ausgewogen, nichts überwiegt oder dominiert einseitig.

Das Rösten

Nur Röstereien, die über sehr viel Erfahrung und Können verfügen, sollten den Jamaica Blue Mountain rösten und auf den Markt bringen. Die Bohne sollten nicht zu dunkel geröstet werden, um genau das richtige Maß an Fülle und Körper hervorzuholen, das nur dieser Kaffee in sich trägt. Natürlich sollte der Jamaica Blue Mountain ausschließlich im Trommelröstverfahren bei geringster Hitze schonend verarbeitet werden. Das dauert zwar bis zu viermal länger als die Schockhitze-Verabreichung industrieller Röstverfahren, garantiert aber atemberaubende Aromagüte bei bester Bekömmlichkeit.

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Italienischer Espresso-König Andrea Illy im Interview mit der Süddeutschen Zeitung

Freitag, November 20th, 2009

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Er gilt als der Espresso-König Italiens: Andrea Illy, Geschäftsführer des 1933 in Triest gegründeten Familien-Unternehmens Illycaffè S.p.A.. Viele kennen seine Kaffee-Spezialitäten, die in zahlreichen Cafés, Bars, italienischen Feinkostläden und sogar in ausgewählten Supermärkten verkauft werden. Bei der großen Marktpräsenz der italienischen Marke und der damit verbundenen kommerziellen Ausbreitung ihrer Produkte, wird die Qualität und Herstellung der Illy-Kaffees oft in einen Topf mit anderen internationalen Groß-Röstern geschmissen. Wie Illy die Qualität seiner Produkte selbst beurteilt, könnt ihr im Folgenden lesen.
Es ist zwar schon ein paar Tage her, dass die Süddeutsche Zeitung das Interview mit Andrea Illy veröffentlicht hat, wir finden es aber so interessant, dass wir es Euch nicht vorenthalten wollen:

“Wir leben in einer Gesellschaft, die absolut untragbar ist”
Espressofabrikant Andrea Illy über Kaffeepreise, nachhaltiges Wirtschaften und den Imageschaden Berlusconis für italienische Markenunternehmer

München - Noch am Morgen hat der Triester Kaffeekaufmann Andrea Illy, 45, in München vor Managern des Allianz-Konzerns einen Vortrag zum Thema “Was ist ein Produkt?” gehalten. Nun steht er im Schulungssaal der eigenen Università del Caffè in Obersendling an der Espressomaschine und führt vor, warum er in fünf Jahren 120 Millionen Euro ins “perfekte Tässchen” investierte. Weil das Häubchen dichter Crema auf dem Lebenselixier der Italiener zum Statussymbol geworden ist, bringt die Krise Illy nicht aus dem Konzept.

SZ: Herr Illy, wissen Sie, was eine Tasse Espresso in Deutschland kostet?
Andrea Illy: Rund 1,80 Euro. In Italien ist das Tässchen halb so teuer. Aber Sie haben hier ja auch eine Kaffeesteuer von 2,19 Euro pro Kilo.

SZ: Wie viel kommt denn von den 1,80 Euro beim Kaffeebauern an?
Illy: Zwischen 10 und 20 Cent pro Tasse. Aber die Wertschöpfungskette beim Kaffee ist sehr lang. Der größte Anteil bleibt in der Gastronomie hängen.

SZ: Was zahlt ein Premiumhersteller wie Illy dem Bauern für die 50 Kaffeebohnen, die in einer Tasse Espresso stecken ?
Illy: Wir zahlen den Höchstpreis von 20 Cent und mehr.

SZ: Warum so großzügig?
Illy: Der Produzent ist für uns entscheidend. Wir sind in der Lage, mit unserer Technologie die Qualität zu heben. Aber wir können aus mittelmäßigen Bohnen keinen Spitzenkaffee machen. Deswegen haben wir uns eine eigene Lieferkette aufgebaut. Wir kaufen nur direkt ein. Und nur in Gegenden, wo wir die beste Qualität bekommen, und bei Erzeugern, die unseren Standard erreichen.

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SZ: Illy geht zum einzelnen Bauern?
Illy: Ja, meistens. Nur in sehr armen Ländern kommen die Leute mit ihrem Kaffee zu Sammelstellen. Überall schulen wir die Erzeuger. Je mehr die Bauern lernen, desto besser wird ihr Produkt und desto teurer können sie die Bohnen auf dem Markt verkaufen. Illy zahlt im Schnitt einen Aufpreis von 30 Prozent.

SZ: Was muss der Bauer dafür leisten?
Illy: Mit dem Aufpreis deckt er seine Mehrkosten ab, die nicht hoch sind. Er muss die Plantage besser pflegen. Wir verlangen selektives Pflücken ausgereifter Kirschen. Mangelhafte Bohnen müssen aussortiert werden. Die dritte Auslesestufe besorgt Illy in Triest elektronisch. Wir wollen null Mängel.

SZ: Geht es Ihren Bauern besser?
Illy: Ja, denn wir stehen ihnen auch in harten Zeiten zur Seite. 2001 sackte der Kaffeepreis auf einen Tiefstand von 40 US-Cent pro Pfund ab. Das deckte nicht einmal die Anbaukosten. Heute liegt er bei 1,30 Dollar. Illy hielt damals einen Preis, der die Kosten deckte und einen Profit abwarf. Das ist wichtig: Wer Gewinn macht, arbeitet weiter für uns.

SZ: Wie kontrollieren Sie denn, wie nachhaltig die Bauern wirtschaften?
Illy: Wir lassen unsere Lieferkette gerade durch die Gesellschaft DNV (Det Norske Veritas) zertifizieren.

SZ: Warum liegt Ihnen so viel daran?
Illy: Wenn das Unternehmen dauerhaft den Verbraucher mit dem besten Kaffee versorgen will, den die Natur gibt, dann müssen wir sicherstellen, dass unsere Lieferkette Bestand hat. Wir müssen wachsen, ohne von unserer Mission abzukommen. Qualität ist für uns kein Gimmick. Unser erstes Unternehmerziel ist das Überleben. Um unsere Kunden zu halten, müssen wir heute, morgen und in Zukunft Qualität garantieren.

SZ: Auch die amerikanische Kette Starbucks schmückt sich mit einer Zertifizierung. Wo ist da der Unterschied?
Illy: Starbucks hat ein Gütesiegel für Fairen Handel. Diese Zertifizierungen prüfen generell nur, wie viel man bezahlt. Ich halte nichts von reiner Charity. Der Verbraucher greift zum fair gehandelten Kaffee, weil er sich gut fühlen will. Mit Markt hat das nichts zu tun. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage besagt: mehr Geld für höheren Wert.

SZ: Ist das Bemühen um Nachhaltigkeit eine Modeerscheinung?
Illy: Nein, die Sensibilität ist gewachsen. Denn wir leben in einer Gesellschaft, die absolut untragbar ist. In jeder Hinsicht: wirtschaftlich, ökologisch und sozial. Den Ausweg wird eine neue industrielle Revolution weisen. Sie wird uns saubere Energien bringen, und sie könnte einen Wirtschaftsboom auslösen, der sämtliche Bedürfnisse erfüllt.

SZ: Trotz der Krise hat der Kaffeedurst 2009 kaum nachgelassen. Die Nachfrage stieg und mit ihr die Preise. Wer hat daran verdient?
Illy: Niemand, weil die Kosten auch gestiegen sind. Außerdem geht ein Teil der Preiserhöhung auf die Dollarabwertung zurück. Darüber hinaus gab es Lieferengpässe.Infolge von Ernteausfällen hält die Produktion seit drei Jahren nicht mehr mit der Nachfrage Schritt. Extreme Klimaereignisse häufen sich. Der Markt ist nervös.

SZ: Hat die Rezession Illy zugesetzt?
Illy: Wir wachsen, aber nur noch halb so stark wie eigentlich erwartet.

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SZ: Kommt Ihr Unternehmen trotzdem heil aus der Krise?
Illy: Ja, auch dank neuer Produkte. Wir hatten zum Glück 2008 gerade ein großes Investitionsprogramm abgeschlossen. Es hat die Komplexität des Unternehmens stark erhöht. Vom Konsumgüterhersteller ist Illy mit Espressomaschinen zum Hersteller von Gebrauchsgütern, mit der Kette espressamente illy zum Vertriebsunternehmen und mit Schulungszentren zu einem Dienstleister geworden. Rentiert sich die Investition nun erst ein Jahr später, kann ich auch damit leben.

SZ: Espressotrinken war mal eine hastige Angelegenheit. Nun profitieren Sie davon, dass der kleine Schwarze zum Emblem eines Lebensstils wurde.
Illy: Espresso wird zu einem Erlebnis-Getränk. Gott sei Dank, denn da ist Illy ein Pionier. Das Streben nach Qualität trieb schon meinen Großvater an. Triest war damals ein kleines New York - kosmopolitisch, frei, offen. Als er die Firma vor 76 Jahren gründete, wollte er den besten Kaffee der Welt auf den fernsten Märkten platzieren. Dafür haben wir uns von Anfang an um Innovationen bemüht, wie die vakuumverschlossenen Dosen. Viele Konkurrenten haben lange Zeit gar nicht verstanden, was wir da machen. Für die war Kaffee nur ein Rohstoff. Das hat sich geändert. Nun tobt der Wettbewerb um den schicksten und besten Kaffee. Es kam Konkurrenz auf, aber der Markt ist auch gewachsen. Mir ist das recht so.

SZ: Ist es nicht mühsam, die Welt zu italienischer Lebensart zu verführen, während Ministerpräsident Silvio Berlusconi das Image des Landes immerzu ramponiert?
Illy: Zum Glück sind die Werte unseres Unternehmens nicht italienisch. Unser Stil ist ganz anders. Wir sind nicht Italiener - wir sind Illyaner. Unsere Familie hat mehr schwäbisches und irländisches Blut in den Adern als italienisches. Unsere Andersartigkeit zu vermitteln, fällt nicht schwer.

SZ: Ändert sich im Ausland die Resonanz auf italienische Marken?
Illy: Nein, inzwischen gibt es drei Italien. Da ist das altmodische Italien der fünfziger Jahre: Sophia Loren, Fiat 500, Chianti. Dann gibt es das zeitgenössische Italien der anspruchsvollen Modefreaks. Es steht für Stil und Lebensart. Dieses Italien wird nicht angegriffen durch das Abscheu erregende dritte Italien des politischen Verfalls. Der Kunde des Made in Italy nimmt die Unterschiede wahr. Er kennt Italien, schätzt das Schöne und schaut über diesen Zirkus hinweg.

SZ: Etwas Sorge muss die Luxusunternehmer aber wohl doch umtreiben, wenn ihre Vereinigung Altagamma die Entwicklung einer Kommunikationsstrategie in Auftrag gab, die das Image aufpolieren soll.
Illy: Irgendwann ist Schluss. Man muss den Politikern mal die Ohren lang ziehen. Noch hat der Absatz von Luxusmarken nicht gelitten. Aber: Unser Land lässt unermessliche Gelegenheiten sausen. Wenn Italien keine Pflege des Landes und keine Verkaufsförderung betreibt, wenn man dem Tourismus nicht hilft, dann verschenkt man seinen Wettbewerbsvorteil. Das ist masochistisch. Noch gibt es keine Absatzausfälle. Aber wenn wir weiter so machen, wird es dazu kommen.

SZ: Warum spürt man dann keinen Druck der Unternehmerklasse?
Illy: Und ob. Unsere Präsidentin Emma Marcegaglia drängt täglich…

SZ: …aber wenn Berlusconi die Industriechefin vor 3000 Unternehmern als “hübsches Showgirl” demütigt, klatscht der Saal amüsiert.
Illy: Das ist der Zirkus, von dem ich vorhin gesprochen habe. Das ist uritalienischer Kameradschaftsgeist. Den trifft man hier in jedem Klub an. Da wird gescherzt und gelacht. Auch wenn es nichts zu lachen gibt.

(Das Interview führte Ulrike Sauer für die Süddeutsche Zeitung, 05.11.2009, Ausgabe Deutschland, Bayern, München, S. 24, Ressort: Wirtschaft, Rubrik: Interview)

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